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Mit dem Ausgang des Wiener Kongresses im Jahre 1814/15 fand in Europa eine Neuordnung und Formation staatlicher Gefüge statt.
Unter Großherzog Friedrich l., der Baden von 1856 bis 1907 als Landesvater und regierte und ein großer Förderer von Sozialreformen
war, und Großherzogin Luise, die als eine der ersten Förderinnen der Rote-Kreuz-Bewegung galt, erlebten Stadt und das Land Baden die zweite Hälfte
des 19. Jahrhunderts als stabile, wirtschaftlich und kulturell blühende Zeit. Baden-Baden wurde zur Sommerhauptstadt Europas. Ab 1910 war Baden-Baden
mit einer Straßenbahn zu durchqueren. 1910 wurde in Baden Oos eine Luftschiffhalle für Zeppeline eingeweiht, und Graf Zeppelin gehörte seither zu den
Ehrenbürgern der Stadt. 1913 wurde die Merkurbahn in Betrieb genommen.
Mit dem Beginn der Industrialisierung, mit der Einführung von Gas und Elektrizität, mit der Erfindung der Dampfmaschine und des
Webstuhls ist eine Bewegung in Schwung gekommen, die eine kleine Völkerwanderung zur Folge hatte.
In Europa, in Deutschland, im Land Baden und auch in der Stadt Baden-Baden bewegte dies, dass die Menschen vom Land in die Stadt strömten.
Aus der Zuwanderung kann man erkennen, in welcher Größenordnung die Ortschaften, die Dörfer und Städte, expandierten. Zum Beispiel verdoppelte sich die Bevölkerungszahl in Baden-Baden von 1900 - 1925, die Anzahl an Wohnungen jedoch nicht.
Das Leben war damals sehr einfach und die Menschen waren größtenteils arm. In einem schlechten Erntejahr war die Versorgung der Bevölkerung von Baden-Baden derart schlecht, dass Unterernährung stark verbreitet war. Der heiße trockene Sommer 1911 brachte eine Lebensmittelverteuerung, die besonders die ärmere Bevölkerung hart traf. Bürger der Stadt Baden-Baden sorgten dafür, dass zusätzliche Nahrung beschafft wurde.
Zusätzliche Nahrung in Form von Heringen von der Nord- und Ostsee!
Ein Waggon Heringe hatte man nach Baden-Baden beordert. Die Stadtverwaltung bat man seinerzeit, bei der Verteilung mitzuwirken, damit alle Bedürftigen in diesen Genuss kamen. Man lehnte dies ab. Eine Stadtverwaltung kann doch keine Heringe verteilen!
Dies war damals, im Jahre 1911, die Geburtsstunde eines Konsumvereins. Hier war der in Baden-Baden lebende Mediziner Dr. Groddeck eine maßgebliche Persönlichkeit.
In diesen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stand zum Beispiel für eine 5- oder 6-köpfige Familie im günstigsten Falle eine 2-Zimmer-Wohnung zur Verfügung.
Die Miete für diese Wohnung betrug ca. 45,00 Mark, bei einem Familieneinkommen von rund 100,00 Mark. Einen Strom- oder Gasanschluss gab es nicht. Oft stand 2 oder 3 Kindern nur ein Bett zur Verfügung. Statt Matratzen hatte man Strohsäcke, die zusätzlich mit Eichen- und Nussbaumlaub zur Verhinderung von Ungeziefer gefüllt wurden.
Um die monatliche Miete bezahlen zu können, wurde oftmals ein Untermieter, in die schon knapp bemessene Wohnung mit aufgenommen. Dafür hatte der Untermieter monatlich 15,00 Mark zu bezahlen. Der Hauptmieter reduzierte dadurch seine monatliche Mietbelastung von 45,00 auf 30,00 Mark. Der Untermieter kam abends nach getaner Arbeit mit dem Rucksack nach Hause, hat sich selbst das Essen zubereitet und ist bei seiner Familie, zu der er sich zählte, im Kinderzimmer mit untergekommen.
In Anbetracht dieser Not ist es daher kein Wunder, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts Männer und Frauen fanden, die bestrebt waren, die einfachen, arbeitenden Menschen aus ihrer sozialen Not herauszuholen. Diese Bürger erkannten die wichtigsten menschlichen Bedürfnisse und engagierten sich, ohne an den eigenen Vorteil zu denken. Es waren Dr. Groddeck, Dr. Brebeck, der Journalist Sexauer, Notar Ketterer, der Fabrikant Batschari und Max Schorch. Sie waren die ersten Förderer der Baugenossenschaft.

Am 18.07.1912 fand im Löwenbräu die Gründungsversammlung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft statt. Als Vorgängerin der Gemeinnützigen Baugenossenschaft ist die am 09.01.1911 gegründete Ortsgruppe der Deutschen Gartenstadtgesellschaft zu nennen. Der Ideenträger war Dr. Hans Kampffmeyer, Architekt und Begründer der „Gartenstadt Karlsruhe". Die Idee der Gartenstädte brachte Dr. Kampffmeyer aus England mit, das in der Industrialisierung bereits wesentlich weiter war. Baden-Baden steht mit den Daten 1911 und 1912 mit an vorderster Stelle für die Gründungen der Baugenossenschaften. Dr. Kampffmeyer sah voraus, dass sich für weite Schichten in Baden-Baden eines Tages das Wohnungsproblem neu darstellen würde, um so mehr als die bevorzugten Wohnlagen größtenteils bebaut oder bereits vergeben waren und auf ihnen die Errichtung von preiswerten Wohnungen für einkommensschwache Kreise nicht möglich sein würde.
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